Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

10. 04. 2017 05:33
Hallo zusammen,

ich bin seit längerem stiller Mitleser. Erst vor fast 2 Wochen habe ich mich hier registriert und wollte mich offiziell vorstellen. Ich bin 28, männlich und bin weder selbst von einer bipolaren Störung betroffen noch habe ich Angehörige, die daran erkrankt sind, jedenfalls offiziell.
Es fällt mir nicht sehr leicht diesen Text zu schreiben, da ich die Befürchtung hege, dass ich eben doch persönlich betroffen sein könnte und möchte daher ein, zwei Dinge niederschreiben um anschließend eure Einschätzung zu hören.

Im Schuljahr 2006/2007, in der 12. Jahrgangsstufe fielen mir persönlich Veränderungen an mir auf. Dies äußerte sich darin, dass Hobbys zunächst vernachlässigt - später gänzlich aufgegeben wurden. Freunde aber auch generell Unternehmungen wurden auf ein Minimum reduziert bis auch diese komplett aufgegeben wurden. Meine zu der Zeit (2008) langjährige Freundin teilte mir damals mit, dass meine Stimmung sehr stark schwanken würde. Zu eben jener Zeit folgten dann auch erste Spitznamen, speziell seitens der Verwandtschaft, die auf mein unausgeglichenes Verhalten (u.a. mit dem Wort dengesiz) hinwiesen. Persönlich habe ich keine Schwankung festgestellt, lediglich dass es mir stellenweise verdammt schlecht ging und die Laune total am Boden war.
Über die Jahre hinweg ging ich immer dann zu einem Arzt wenn es mir entsprechend sehr sehr schlecht ging: tiefste Traurigkeit, Gefühl der Leere, totale Antriebslosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen. Zeiträume von mehreren Wochen in denen ich kaum mehr aus dem Bett kam. Dass es im Kontrast dazu Zeiträume gab, in denen es mir gut ging, ja sogar super, wurde meinerseits nie erwähnt, da ich darin nichts krankhaftes sah, vielleicht sogar nicht sehen wollte.

Sinnbildlich steht hierfür der späte Frühling bzw. der Frühsommer 2012:
Was zu jener Zeit passierte, wiederholte sich in den darauffolgenden Jahren. Ende April 2012 kaufte ich, aus einer guten Laune heraus, etwas völlig überflüssiges für etwa 200€, wovon ich überzeugt war, dass es langfristig zu einem Hobby werden würde. Nach nur wenigen Tagen wurde es links liegen gelassen und lag Jahre im Schrank rum ehe es verscherbelt wurde. Noch im selben Zeitraum, immernoch aufgeputschte Laune, war ich von der fixen Idee angetan einen Roman zu schreiben. So schrieb ich energiegeladen eine Seite nach der anderen, wie im Rausch. Die Ideenflut, immer neue Gedankengänge, gefühlt unerschöpfliche Energie all das war unfassbar angenehm. Ich kontaktierte sogar mehrere Verlage über einen möglichen Roman, obwohl ich grad mal am Anfang stand und schwadronierte wie ein Wanna-Be-Romanautor über meine Zukunft als Bestseller-Autor. Nach nur wenigen Tagen ließ ich den ''Roman'' links liegen und kaufte mir einen 1000€-PC, obwohl ich zu jener Zeit zwei Notebooks besaß und streng genommen kein Geld dafür hatte. Juckte mich aber nicht. Nebenbei wurde versucht (alte) Kontakte (wieder)herzustellen; ehemalige Freunde, Ex-Freundinnen aber auch völlig neue Kontakte etc pp. Plötzlich war ich so erpicht zu reden, mich mitzuteilen. Ich drängte auf Kontakte, stellenweise aufdringlich offensiv. Das merkwürdige daran war, ich war viel zu persönlich mit Leuten, die ich noch gar nicht kannte.



In solchen Zeiträumen fühle ich mich einfach nur Hammer. Ich hab aus dem Nichts Energie ohne Ende. Es fühlt sich an wie ein Erwachen. Obwohl mir in diesem Moment, in dem ich das hier schreibe, klar ist, dass diese Phasen problematisch sind, wäre ich dennoch bereit alles herzugeben um wieder in so einer Phase zu sein, so paradox das jetzt klingen mag. Dem gegenüber stehen Phasen in denen ich unfassbar traurig bin. Wie oben angeschnitten ist es tiefe Traurigkeit, ein Gefühl der absoluten Leere, totale Antriebslosigkeit und ja auch Gedanken an den Tod. Hätte es die letzten 12 Monate nicht gegeben, wäre ich nicht auf die Idee gekommen in diesen guten Phasen etwas krankhaftes zu sehen.
Nach dem Spätsommer 2016 wollte ich im Oktober ein Studium beginnen, worauf ich mich in den Monaten zuvor beständig vorbereitet und hingearbeitet hatte. Doch dann kam Anfang Oktober rum eine Hochphase, in der ich ein vermeintlich neues Hobby für mich entdeckte und dieses über Wochen hinweg exzessiv betrieb, so dass mein Studium komplett wegfiel. Es interessierte mich nicht mal mehr nebenbei, dass da mein Studium, meine Zukunft weggeworfen wurde. Stattdessen hatte ich dieses kompetitive neue Hobby und betrieb es krankhaft über mehrere Wochen mitsamt einem starken Hochgefühl. Erst Mitte-Ende Dezember ebbte das ab und ich sah was ich angerichtet hatte: Studienplatz inklusive Wartesemester futsch, Gewichtszunahme von 7 kg, unnötige Geldausgaben. Erst dieses Ereignis ließ mich aufhorchen und ich bemühte mich einen Termin bei einem Psychotherapeuten/Psychologen weil ich zum ersten Mal genau das ansprechen wollte. Dieses Bemühen war nicht vergebens, sodass ich erst kürzlich einen Termin für den kommenden Juni bekommen konnte.
Die Wochen nach dem Dezember waren leicht schwankend bis vergleichsweise stabil, bis ich Anfang März eine etwa 2-wöchige Hochphase durchlebte, die ich als ungemein intensiv empfand. Das ging mit der surrealen Idee los, ich sei ein begnadeter Schriftsteller/Drehbuchautor, so dass ich erneut ein Manuskript für einen Roman mitsamt der ersten Seiten schrieb. Anschließend hüpfte ich auf ein völlig neues Hobby, welches ich diesmal noch exzessiver betrieb als vieles zuvor. Darauf folgten: Kontaktsuche, Rededrang begleitet von Ein- und Durchschlafstörungen (Einschlafen dauert Stunden weil ich nicht ruhig liegen kann und rumzapple/ Durchschlafen ist nicht möglich weil ich ständig aufwache/ Speziell in der Anfangsphase lediglich 3-4Stunden Schlaf).

Jetzt sind wir im April und was in den letzten Tagen bzw 1-2 Wochen abgeht kann ich überhaupt nicht mehr einordnen. Ich hab grad das Gefühl als wäre alles verkehrt herum. Aus dem Nichts empfinde ich den Drang unfassbar viel Sport zu machen, kurz darauf folgen Gefühle der totalen Resignation. Schlaflosigkeit und 4 Stunden Schlaf treffen auf innere Unruhe und (stellenweise) Antriebslosigkeit. Ich fühl mich unfassbar traurig und leer, verstehe nicht mal im Ansatz warum. Im nächsten Moment habe ich ein Gefühl, dass es mir toll geht und mache 90 Minuten intensives Intervalltraining inklusive bekloppter Zukunftsphantasien.
Diese Widersprüchlichkeit bringt mich grade um den Verstand und das dürfte wohl der Hauptgrund sein wieso ich mich entschlossen habe hier zu schreiben.

Als Randnotiz sei zu erwähnen, dass in meinem Kulturkreis psychische Krankheiten ein Tabu sind, de facto inexistent. Menschen mit psychischen Erkrankungen werden gemeinhin als 'schwach' deklariert. Diese archaische Sicht lehne ich selbstredend ab. In den vergangenen Jahren bin ich aufgrund meines Verhaltens im Abseits gelandet, was mich speziell anfangs zusätzlich belastet hat.
Wie bereits erwähnt, habe ich im Juni einen Termin und werde diesen definitiv wahrnehmen und u.a. oben genannte Dinge ansprechen. Mir ist sehr wohl bewusst dass eine endgültige Diagnose nur ein Facharzt stellen kann. Dennoch dachte ich mir, dass es nicht völlig verkehrt wäre hier zu schreiben, zumal mich mein momentaner Zustand ungemein verwirrt und zeitgleich belastet. So wie ich mich kenne, habe ich sehr wahrscheinlich einen ganzen Haufen an Dingen vergessen zu erwähnen, aber der Roman von einem Vorstellungstext sollte genügen. Da in meinem Kopf ein paar Fragen rumschwirren, würde ich diese kurz stellen.


Denkt ihr, die von mir beschriebenen Dinge weisen auf eine bipolare Störung hin?
Ist die Anwesenheit einer Zwangsstörung (hier: das Händewaschen) ein Ausschlusskriterium für eine bipolare Störung?
Der widersprüchlich-verwirrende Zustand in dem ich mich grad befinde, gehört das irgendwie dazu?



keine Ahnung wie man so eine Vorstellung beendet...




Mit freundlichen Grüßen



ein untalentierter, türkischer Möchtegern-Autor



und der obligatorische Satz

#NeinZuErdogan
#NeinZumReferendum
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Ex umbra in solem 1058 10. 04. 2017 05:33

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Sumosimi 374 10. 04. 2017 09:28

Danke für den herzlichen Empfang!

Ex umbra in solem 302 11. 04. 2017 07:24

Re: Danke für den herzlichen Empfang!

Phineas 272 11. 04. 2017 11:03

Re: Danke für den herzlichen Empfang!

fahni 221 11. 04. 2017 11:10

Re: Danke für den herzlichen Empfang!

Sumosimi 228 11. 04. 2017 15:06

Re: Danke für den herzlichen Empfang!

Ex umbra in solem 185 13. 04. 2017 12:44

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Friday 299 10. 04. 2017 11:55

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Kessy 249 10. 04. 2017 17:44

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

tschitta 211 12. 04. 2017 09:37

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Ex umbra in solem 188 13. 04. 2017 11:30

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

tschitta 191 16. 04. 2017 17:59

AD's bei Manie?

Sonrisa87 186 17. 04. 2017 08:38

Re: AD's bei Manie? .....Wohl eher bei Depression?

tschitta 179 17. 04. 2017 11:14

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

harfe 211 12. 04. 2017 10:47

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Nicole70 205 13. 04. 2017 01:05

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Supernova21 169 27. 04. 2017 21:05

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

Ex umbra in solem 100 13. 06. 2017 18:30

Re: Eine Vorstellung meinerseits // Meinung erbeten

4Komma5 104 14. 06. 2017 01:41



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