Selbsthilfegruppe in Flensburg

16. 02. 2017 14:58
Hallo Zusammen,
dieses ist mein erster Beitrag in diesem Forum. Ich bin auf der Suche nach gleichgesinnten zwischen 18-35 Jahren im Raum Flensburg und Umgebung. Ich hab bereits die Gründung einer Selbsthilfegruppe in Auftrag gegeben (http://kibis-flensburg.de/ueber-uns/), allerdings zieht sich das ganze schon etwas hin und deswegen verfasse ich diesen thread in der Hoffnung das sich vielleicht jemand meldet.

[edit: bitte Anonymität beachten]

Vorsicht wall of text, nur weiterlesen falls Interesse an meiner Person besteht.
Zu mir:
Ich bin 26 Jahre alt und wohne in Flensburg. Das ich die Bipolare Störung habe weiß ich ca. seit Mitte 2015 (irgendwann merkt man einfach das etwas nicht stimmt) ich war zu der Zeit mitten in meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Ich litt bereits in meiner Jugend an leichten bis mittelschweren Depressionen, die leider nicht richtig diagnostiziert wurden. (die Symphtome wurden alleine auf meine Schildrüsenunterfunktion geschoben)
Mit 19 Jahren hatte ich dann so schwere Depressionen + schweren Burnout das ich die Schule abbrechen musste. Dadurch hab ich ca. 3 Jahre meines lebens verloren, weil ich mich erst wieder fangen und ins Leben zurück kämpfen musste. Ich glaube das sind die wichtigsten und zugleich schwersten Jahre eines Menschen, weil man den Übergang in ein eigenes Leben und damit zum "Erwachsen" sein (Selbständig sein + eigene Entscheidungen treffen) schaffen muss.
Mit 23 hab ich dann die Ausbildung angefangen und bin nach Flensburg gezogen. (Zu dem Zeitpunkt war ich bereits hochgradig in der Manie, wovon ich halt nichts wusste). Ab dem Zeitpunkt wo ich wusste was mit mir los ist hab ich erstmal so weiter gemacht wie bisher (jeden negativen Gedanken und jedes negative Gefühl) mit hartem körperlichen Training quasi bekämpft. (psychische Schmerzen gegen körperliche Schmerzen tauschen). Körperliches Training führt dazu das Endorphine und andere Hormone ausgeschüttet werden wodurch man die Depressionen lindern kann. Ich bin während der Ausbildung nicht zum Arzt gegangen, weil ich eine schwere Abneigung gegen Ärzte sowie Medikamente habe und ich hatte große Angst das ich die Ausbildung abbrechen muss. Hab die Zähne zusammen gebissen und die Ausbildung trotz schwerer Schmerzen (ultra rapid cycling) und beginnendem Burnout (Verlust kognitiver Fähigkeiten) abgeschlossen.
Danach hab ich erstmal nur noch auf 450€ Basis gejobbt um mich erstmal wieder richtig zu fangen, was mir während dem Sommer auch gelungen ist. Mit Einbruch des Herbstes ging es dann stetig Bergab, es sind zu der Zeit viele verschiedene Einflussfaktoren von außen dazu gekommen die mich völlig zerstört haben. Ich hab dann aus Selbstschutzgründen meinen Job gekündigt, weil der Winter die Hauptsaison im Einzelhandel ist und meine kognitiver Fähigkeiten wieder am Ende waren.
Das "nicht" Arbeiten hat mich erst so richtig in ein tiefes Loch befördert, während ich meine Hypomanischen Phasen habe weiß ich immer genau was ich will und wie es weitergehen soll und alles fühlt sich so leicht an. Auf der anderen Seite sind dann die Downphasen in denen einach gar nichts mehr geht (Aufstehen oder sich die Zähne zu putzen kann eine schier unlösbare Aufgabe sein) und alle Ideen, Träume und Ziele verschwinden einfach...von psychischen und physischen Schmerzen mal abgesehen.
Dadurch das ich mich nur noch auf die "Bipolare Störung" und die damit zusammenhängenden Ängste fokussiert sowie Identifiziert habe sind meine größten Ängste alle wahr geworden. (Selbsterfüllende Phrophezeiung)

-finanzieller Ruin (aufgrund von Fehlentscheidungen)
-kompletter Persönlichkeitsverlust (Persönlichkeitsstörung durch das cycling)
-schwerer Zusammenbruch psychisch und physisch (konnte nicht mal mehr ne 1h aufrecht sitzen, starke Rückenschmerzen etc.)
-Verlust einen selbstbestimmten Lebens (zu der Zeit)
-soziale Isolation (zum Teil selbstverschuldet, weil ich ein kompletter Zombie war und mit mir selbst nichts mehr anfangen konnte)

Mit dafür verantwortlich war auch eine schwere "Mischphase" ab der ich dann auch Versucht habe Hilfe zu bekommen. Ich hatte inzwischen eingesehen das es ohne Medikamente nicht mehr geht und musste dann einen Monat auf nen Arzt Termin warten bzw. wurde Insgesamt 4x von einer psychatrischen "Notsprechstunde" nach Hause geschickt, weil im Winter einfach zu viele Menschen hilfe suchen...ich hatte nicht den Mut mich einweisen zu lassen bzw. ins Krankenhaus zu gehen, weil ich Angst hatte das man mir Medikamente (Lithium, Valporat etc.) gibt die ich nicht nehmen will etc. (hatte schon den Entschluss gefasst nur "Lamotrigin" nehmen zu wollen und nichts anderes).

In den letzten Monaten haben sich alle meine Vorurteile gegenüber den Ärzten bestätigt. (Hören nicht zu, machen keine Anamnese, ewige Wartezeiten wegen einem Rezept, null Verständnis für gar nichts.) Bin immer noch auf der Suche nach einer Therapeutin, still looking.

Seitdem ich Lamotrigin nehme geht es mir wieder super, bin inzwischen bei 100mg und spüre inzwischen keine Nebenwirkungen mehr. (hatte in letzter Zeit Schlafstörungen, sowohl Einschlaf als auch Durchschlaf schwierigkeiten, die aber eine Folge davon waren das ich das Medikament zu spät genommen habe bzw. zu sehr unterschielichen Zeiten)
Meine Stimmung ist relativ stabil mit leichten Schwankungen nach oben und unten (kleine Randnotiz, seit dem ich Lamotrigin nehme habe ich nicht mehr geweint - was davor quasi täglich bis wöchentlich vorgekommen ist) und bin wieder in der Lage mein Leben in den Griff zu bekommen.

So, das ist ein ganz schön langer Text geworden, falls du diesen Satz hier liest, dann fühl dich von mir herzlichst gedrückt. *g*

liebe Grüße



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.02.17 17:35.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Selbsthilfegruppe in Flensburg

Johnny90 525 16. 02. 2017 14:58

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Leuchtturm1 230 17. 02. 2017 07:19

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Bohumil 54 04. 01. 2018 14:27

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Leuchtturm1 68 04. 01. 2018 16:43

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Biposandra 84 02. 01. 2018 04:47

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Bohumil 50 04. 01. 2018 14:29

Re: Selbsthilfegruppe in Flensburg

Bohumil 68 02. 01. 2018 13:44



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen