Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

24. 06. 2016 08:48
Hallo,
alle Betroffenen und Angehörigen,

vor einigen Jahren habe ich mich - im Rückblick - mit dem Thema "Akzeptanz" intensiv schriftlich auseinandergesetzt.

Nachstehend schreibe ich meine Erfahrungen und Erkenntnisse auf:

Der Weg bis zur Akzeptanz der Bipolaren Störung war für mich weit und von sich in regelmäßigen Abständen wieder-
holenden, inneren Kämpfen begleitet.

Nach endlos langen 9 Jahren, in denen ich nicht wußte, was mit mir los war, konnte in einer Uni-Klinik, in der ich
wegen einer schweren Depression behandelt wurde, endlich die Diagnose "Bipolare Störung" gestellt werden.
Ich war nach der Verabreichung eines Antidepressivum vor Ort in eine Manie geswitcht.

Bis dahin krankheitsuneinsichtig, war ich bereit, Medikamente einzunehmen.
Zu viel hatte ich mir in der Vergangenheit zerstört.

... und am Ende wurden mir die unbehandelten Phasen auch zu anstrengend.

Im Gegensatz zu manch' anderen Erkrankten habe ich die Manien zu keiner Zeit als erstrebenswerte Bereicherung und erhaltenswert empfunden. Die Phasen, die oft in einer Psychose endeten, haben mich geängstigt und belastet. Ich war
zwar fasziniert von der Energie und auch meiner körperlichen Kraft, die mir in einem bis dato nicht gekannten Ausmaß
zur Verfügung standen, doch der sich anschließende Absturz in die Depression war zu heftig.

Ich wollte zurück zur Normalität.

Mit der durch die Einnahme einer Phasenprophylaxe einhergehenden, zunehmenden Stabilität, meldeten sich im Laufe
der Zeit dann Zweifel, ob ich wirklich ein Leben lang Medikamente einnehmen wollte. Ich verlor vollkommen aus dem Blick,
dass es die Medikamente waren, die es mir ermöglichten, so lange phasenfrei leben zu können.

Die Hoffnung und der große Wunsch, wieder ganz gesund zu sein, waren übermächtig. Beides nährte und belebte
meine Zweifel immer wieder neu, so dass der Widerstreit zwischen Wunschdenken und Vernunft sich wiederholte.

Gott sei Dank habe ich die inneren Kämpfe nicht ausschließlich mit mir selbst ausgefochten, sondern mich dem mich begleitenden Psychiater anvertraut. Ich habe meine Wut und meine Verzweiflung darüber, dass ich diese schreckliche
Krankheit habe, immer und immer wieder in Worte gefaßt und bei meinem Arzt abgeladen. Er riet mir weder dazu, die Medikamente weiterzunehmen, noch davon ab, sie abzusetzen. Er erklärte mir lediglich sachlich, was aufgrund der
Erfahrungen passieren könnte, wenn ...

Außerdem - und das erkenne ich im Rückblick als ganz wesentlich - bot er mir an, an meiner Seite zu bleiben,
unabhängig davon, wozu ich mich entscheide.

Niemand konnte mir diese schwere Entscheidung abnehmen - mir helfen, den inneren Konflikt zu lösen.
Denn letztendlich war ich es, die mit den Konsequenzen leben musste.

Nach jedem Gespräch mit meinem Arzt wurden die Abstände zwischen den wiederkehrenden Zweifeln größer.
Und irgendwann blieben sie aus. Für mich stand fest: ich würde für den Rest meines Lebens die Medikamente
einnehmen. Ich wollte kein Risiko mehr eingehen.

Die mir verbleibende Restlebenszeit will ich zufrieden und in Dankbarkeit darüber verbringen,
meine seelisch-geistige Gesundheit wiedergewonnen zu haben.

Danke für's Lesen!

Viele Grüße

Deborah

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w, Bipo1, Ersterkrankung 1993, Diagnose 3/2002, seit 5/2002 - erstmals mit Medikamenten - ohne Depressionen/Manien
(Carbamazepin 300 mg + aufgrund einer Hashimoto-Thyreoiditis-Erkrankung Levothyroxin 100 µg)


Wer etwas will, sucht Wege.
Wer etwas nicht will, sucht Gründe.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.06.16 08:54.
Thema Autor Klicks Datum/Zeit

Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

Deborah 852 24. 06. 2016 08:48

Re: Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

elsbeth 302 24. 06. 2016 09:41

@ elsbeth

Deborah 225 24. 06. 2016 14:27

Re: Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

kinswoman 281 24. 06. 2016 09:51

@ kinswoman

Deborah 224 24. 06. 2016 14:20

Nachtrag

Deborah 207 24. 06. 2016 15:10

Re: Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

A20213 263 24. 06. 2016 10:22

Re: Mein schwieriger Weg zur Akzeptanz

dino 354 24. 06. 2016 10:24

@ dino

Deborah 264 24. 06. 2016 13:37

Re: @ dino

Deborah 252 24. 06. 2016 19:56

aus heutiger Sicht ...

Deborah 153 05. 03. 2017 07:42

@Deborah

kinswoman 128 05. 03. 2017 09:47

Re: @Deborah

elsbeth 133 05. 03. 2017 12:29

Re: @Deborah

dino 128 07. 03. 2017 17:05



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