Olanzapin (Zyprexa)

11. 05. 2012 00:21
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Olanzapin ist eines der neueren, der sogenannten atypischen Neuroleptika. Es wurde aus dem ersten Vertreter der atypischen Neuroleptika, dem Clozapin entwickelt, mit dem es chemisch sehr eng verwandt ist. Clozapin als Prototyp atypischer Neuroleptika wurde bereits Ende der 70er Jahre erstmalig bei Bipolaren Störungen eingesetzt. In kleinen offenen Studien zeigte Clozapin dabei nicht nur eine bemerkenswerte antimanische, sondern auch eine antidepressive und phasenprophylaktische Wirksamkeit. Clozapin wird nicht mehr oder nur noch bei Patienten, bei denen absolut nichts anderes mehr hilft, eingesetzt (es hat auch in Deutschland keine Zulassung für Bipolare Störungen). Grund ist das relativ hohe Risiko einer Agranulozytose (das plötzliche Fehlen einer wichtigen Klasse von weißen Blutkörperchen). Dies war auch der Grund der Entwicklung von Olanzapin und Quetiapin.

Olanzapin ist ein Neuroleptikum aus der Klasse der Thienobenzodiapene. Es wurde 1996 in der Europäischen Union zur Behandlung schizophrener Störungen eingeführt. Ende 2003 bekam es nach Zulassungsstudien von Tohen et al die Zulassung in Deutschland als Phasenprophylaxe für Bipolare Störungen bei Patienten, deren manische Episode auf eine Behandlung mit Olanzapin angesprochen hat.

Olanzapin war bei Patienten mit manischen oder gemischten Episoden bipolarer Erkrankungen wirksamer als Placebo und Valproat seminatrium (Divalproex) bzgl. Besserung der manischen Symptome über einen Zeitraum von 3 Wochen.

Olanzapin war als Phasenprophylaxe bei Patienten, deren manischen Episoden auf dieses Medikament angesprochen hatte, Lithium kaum unterlegen (Lithium 38%; Olanzapin 30%) bei einer Studiendauer von 1 Jahr.
Die Kombinationstherapie mit Lithium oder Valproat zur Phasenprophylaxe bei Patienten mit manischen oder gemischten Episoden bringt keinen zusätzlichen Nutzen.

Olanzapin kann auch mit Antidepressiva wie einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) kombiniert werden und kann dabei zur Augmentation dienen (wechselseitige Verstärkung der antidepressiven Wirkung).

Olanzapin ist nach der momentanen Datenlage auch bei gemischten Episoden und Rapid Cycling wirksam.
Olanzapin zeigt neben guter Wirkung in manischen Phasen einen gewissen akut-antidepressiven Effekt, der jedoch eher gering ausgeprägt ist. Erst bei einer Kombination mit Fluoxetin wurde ein deutlicheres Ansprechen bipolar-depressiver Patienten gefunden. Diese Kombination gilt als effektiv und sicher mit Hinblick auf das Fehlen einer erhöhten „Switchgefahr“. In der Erhaltungstherapie ist Olanzapin bei Patienten, die in einer manischen Phase darauf angesprochen haben, angebracht und gut wirksam. Es scheinen jedoch auch hier eher größere Effekte in der Prävention manischer als depressiver Phasen zu bestehen. Olanzapin wurde kaum an Bipolar Typ II-Patienten untersucht, bei denen die depressive Symptomatik deutlich im Vordergrund steht. Allerdings scheinen gemischte Episoden wie auch Rapid-Cycling Verläufe gut auf Olanzapin anzusprechen. Darüber hinaus gibt es unter anderem auch Hinweise zur Wirksamkeit bei wahnhafter Depression, nicht auf Therapie ansprechende Depressionen und Zwangsstörungen.

Bei Olanzapin ist das Risiko einer Agranulozytose (s.o.) gegenüber Clozapin deutlich geringer, jedoch auch noch gegeben, so dass man es nicht zusammen mit Medikamenten geben sollte, die ebenfalls eine Agranulozytose verursachen können (wie z.B. Carbamazepin).

Bei den meisten atypischen Antipsychotika sind ganz allgemein die auf den Stoffwechsel bezogenen Risiken höher als bei herkömmlichen Neuroleptika. Ganz besonders hervorzuheben ist bei Olanzapin und Clozapin das Risiko der starken Gewichtszunahme und der möglichen Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit). Auch kann Olanzapin im Gegensatz zu Clozapin EPS auslösen, besonders in hohen Dosierungen (EPS = extrapyramidales Syndrom, Störungen im Bewegungsablauf).

Olanzapin hat pharmakologisch gesehen eine hohe Affinität zu einer Vielzahl von Neurotransmittersystemen, unter anderem zu dopaminergen (D-), serotonergen (5-HT), adrenergen, histaminergen (H-) und muskarinergen (m-) Rezeptoren.

2005 und 2007 hat der Hersteller Lilly aufgrund von Klagen in den USA an Patienten insgesamt 1.200 Millionen Dollar in zwei Vergleichen bezahlt. Grund der Klagen waren die nicht in der Fachinformation aufgeführten, zum Teil sehr erheblichen und der Firma bekannten Nebenwirkungen von Olanzapin. Eine einigermaßen unaufgeregte Berichterstattung ist hier zu finden: Ärzteblatt

Handelsformen

Olanzapin wird in Deutschland als folgende Medikamente verordnet:

ZYPADHERA 210 mg/-300 mg/ -405 mg Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Depot-Injektionssuspension (Mono)
ZYPREXA® 2,5 mg/-5 mg/ -7,5 mg/-10 mg/-15 mg/-20 mg überzogene Tabletten (Mono)
ZYPREXA® VELOTAB 5 mg/-10 mg/-15 mg/-20 mg Schmelztabletten (Mono)
ZYPREXA® 10 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung (Mono)

Gegenanzeigen:

Olanzapin darf nicht angewendet werden bei Patienten mit bekanntem Risiko eines Engwinkelglaukoms und bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Während der Behandlung mit einem Antipsychotikum kann es mehrere Tage bis zu einigen Wochen dauern, bis sich der klinische Zustand des Patienten bessert. Die Patienten sollten daher während dieser Zeit engmaschig überwacht werden.

Bei Demenz vorkommenden Psychosen und/oder Verhaltensstörungen
Olanzapin ist für die Behandlung von Psychosen und/oder Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit einer Demenz nicht zugelassen und die Anwendung in dieser speziellen Patientengruppe wird nicht empfohlen, da die Sterblichkeit und das Risiko eines zerebrovaskulären (auf im Gehirn vorkommende Gefäße bezogenen) Zwischenfalls erhöht ist.

In Placebo-kontrollierten Studien (über 6 – 12 Wochen) bei älteren Patienten (Durchschnittsalter 78 Jahre) mit Psychosen und/oder Verhaltensstörungen im Rahmen einer Demenz kam es bei mit Olanzapin behandelten Patienten im Vergleich zu mit Placebo behandelten Patienten zu einer Zunahme der Häufigkeit von Todesfällen um das 2-fache. Das häufigere Auftreten von Todesfällen war nicht von der Olanzapin-Dosis (durchschnittliche tägliche Dosis 4,4 mg) oder der Dauer der Behandlung abhängig. Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit in dieser Patientengruppe können Alter >65 Jahre, Dysphagie (Schluckstörung), Sedierung (medikamentöse Beruhigung), Mangelernährung und Dehydrierung (Austrocknung), Erkrankungen der Lunge (z.B. Lungenentzündung mit oder ohne Eindringen flüssiger oder fester Stoffe in die Atemwege) oder die gleichzeitige Anwendung von Benzodiazepinen sein. Bei mit Olanzapin behandelten Patienten war das Auftreten der Todesfälle unabhängig von diesen Risikofaktoren höher als bei mit Placebo behandelten Patienten. In denselben klinischen Prüfungen wurden unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse (z.B. Schlaganfall, vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns) berichtet, einschließlich solcher mit tödlichem Verlauf. Bei mit Olanzapin behandelten Patienten traten zerebrovaskuläre Ereignisse 3-mal häufiger auf als bei mit Placebo behandelten Patienten. Bei allen mit Olanzapin oder Placebo behandelten Patienten, bei denen es zu einem zerebrovaskulären Ereignis kam, bestanden bereits vor der Behandlung Risikofaktoren. Als Risikofaktoren für ein zerebrovaskuläres Ereignis im Zusammenhang mit einer Olanzapin-Behandlung wurden ein Alter >75 Jahre und eine Demenz durch Gefäßveränderungen oder gemischter Ursache identifiziert. Die Wirksamkeit von Olanzapin wurde in diesen Studien nicht belegt.

Parkinsonsche Erkrankung (Schüttellähmung)
Die Anwendung von Olanzapin wird zur Behandlung von durch Arzneimittel mit dopaminerger (auf Dopamin reagierende) Wirkung ausgelöste Psychosen bei Patienten mit Parkinsonscher Erkrankung nicht empfohlen. In klinischen Prüfungen wurden sehr häufig und häufiger als unter Placebo eine Verschlechterung der Parkinson-Symptome und Halluzinationen berichtet. Olanzapin war dabei in der Behandlung der psychotischen Symptome nicht wirksamer als Placebo.

Malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
MNS ist ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand, der mit der Einnahme von Neuroleptika zusammenhängt. Seltene, als MNS berichtete Fälle wurden auch im Zusammenhang mit Olanzapin dokumentiert. Klinische Manifestationen eines MNS sind eine Erhöhung der Körpertemperatur, Muskelrigidität (Muskelsteifigkeit), wechselnde Bewusstseinslagen und Anzeichen autonomer Instabilität (unregelmäßiger Puls oder Blutdruck, Tachykardie [schneller Herzschlag], Schwitzen und Herzrhythmusstörungen). Weitere Symptome können eine Erhöhung der Kreatinphosphokinase (Enzym, das Auskunft über den Zustand des Herzmuskels gibt), Myoglobinurie (Ausscheidung von Skelettmuskelbestandteilen über den Urin = Rhabdomyolyse) und akutes Nierenversagen sein. Wenn ein Patient Symptome entwickelt, die auf ein MNS hindeuten oder unklares hohes Fieber bekommt ohne eine zusätzliche klinische Manifestation von MNS, müssen alle Neuroleptika einschließlich Olanzapin abgesetzt werden.

Hyperglykämie und Diabetes
Eine Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker) und/oder Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes (Zuckerkrankheit) wurden selten berichtet, gelegentlich begleitet von Ketoacidose (Übersäuerung des Körpers) oder Koma, einschließlich einiger letaler (tödlicher) Fälle. In einigen Fällen wurde eine vorherige Zunahme des Körpergewichts berichtet, was ein prädisponierender Faktor sein könnte. Eine angemessene ärztliche Überwachung in Übereinstimmung mit den gebräuchlichen Therapierichtlinien für Antipsychotika ist ratsam. Patienten, die mit antipsychotischen Arzneimitteln einschließlich Olanzapin behandelt werden, sollten hinsichtlich Symptome einer Hyperglykämie wie Polydipsie (starker Durst), Polyurie (starkes Wasserlassen), Polyphagie (krankhaft gesteigerter Appetit) und Schwäche beobachtet werden. Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder mit Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes sollten regelmäßig bezüglich einer Verschlechterung der Glukoseeinstellung überwacht werden. Das Gewicht sollte regelmäßig kontrolliert werden.

Lipidveränderungen
In plazebokontrollierten klinischen Studien wurden bei mit Olanzapin behandelten Patienten unerwünschte Veränderungen der Lipidwerte (Blutfettwerte) beobachtet. Lipidveränderungen sind zu behandeln, wie es klinisch erforderlich ist, insbesondere bei Patienten mit einer Lipidstoffwechselstörung (Fettstoffwechselstörung) und bei Patienten mit Risikofaktoren für die Entwicklung einer solchen. Patienten, die mit antipsychotischen Arzneimitteln einschließlich Olanzapin behandelt werden, sollten in Übereinstimmung mit den gebräuchlichen Therapierichtlinien für Antipsychotika regelmäßig hinsichtlich der Lipidwerte überwacht werden.

Anticholinerge Wirkung
Obwohl Olanzapin im Labor eine anticholinerge (gegen den Parasymphatikus gerichtet - Teil des vegetativen Nervensystems, der für Ruhe und Entspannung zuständig ist) Wirkung zeigte, wurde während der klinischen Prüfung eine geringe Anzahl von damit zusammenhängenden Ereignissen beobachtet. Da aber die klinische Erfahrung bei Patienten mit Begleiterkrankungen begrenzt ist, wird bei der Verordnung für Patienten mit Prostatahypertrophie (Vergrößerung der Vorsteherdrüse) oder paralytischem Ileus (Darmlähmung mit Verschluss) und damit zusammenhängenden Zuständen zur Vorsicht geraten.

Leberfunktion
Vorübergehende, asymptomatische (ohne weitere Krankheitszeichen) Erhöhungen der Leberenzyme ALT (GPT) und AST (GOT) wurden, besonders zu Beginn der Behandlung, häufig beobachtet. Bei Patienten mit erhöhten ALT- und/oder AST Werten, bei Patienten mit Anzeichen einer Leberfunktionseinschränkung, bei Patienten mit vorbestehenden Erkrankungen, die mit einer eingeschränkten Leberfunktionsreserve einhergehen und Patienten, die mit möglicherweise leberschädigenden Arzneimitteln behandelt werden, ist daher Vorsicht angebracht und Nachuntersuchungen sind durchzuführen. In Fällen, in denen eine Hepatitis diagnostiziert wurde (Leberentzündung einschließlich Leberzell- oder Gallenschädigung oder einer Mischform), muss die Olanzapin-Therapie beendet werden.

Neutropenie (Mangel an weißen Blutkörperchen)
Vorsicht ist angebracht bei Patienten mit niedrigen Leukozyten- und/oder Neutrophilenwerten (wenige weiße Blutkörperchen) jeglicher Ursache, bei Patienten, die Arzneimittel erhalten von denen bekannt ist, dass sie eine Neutropenie verursachen können, bei Patienten mit arzneimittelbedingter Knochenmarksdepression/-toxizität (Mangel der Knochenmarksfunktion/-schädigung) in der Anamnese, bei Patienten mit Knochenmarksdepression bedingt durch eine Begleiterkrankung, Strahlentherapie oder Chemotherapie und bei Patienten mit hypereosinophilen Zuständen (ein Zuviel einer bestimmten Blutkörperchenart, was mit Allergien assoziiert ist) oder einer myeloproliferativen Erkrankung (starke Vermehrung einer bestimmten Art von weißen Blutkörperchen). Wenn Olanzapin und Valproat gleichzeitig angewendet wurden, wurde häufig über Neutropenie berichtet.

Absetzen der Behandlung
Wenn Olanzapin plötzlich abgesetzt wurde, wurden sehr selten (<0,01%) akute Symptome wie Schwitzen, Schlaflosigkeit, Zittern, Angst, Übelkeit oder Erbrechen berichtet.

QT Intervall
In klinischen Prüfungen wurden bei mit Olanzapin behandelten Patienten gelegentlich (0,1%– 1%) klinisch relevante QT-Verlängerungen (eine bestimmte Art der Veränderung im EKG) gefunden. Wie bei anderen Antipsychotika, ist Vorsicht geboten, wenn Olanzapin zusammen mit anderen Arzneimitteln verschrieben wird, von denen bekannt ist, dass sie die QTc-Strecke verlängern, insbesondere bei älteren Patienten, bei Patienten mit angeborener Verlängerung der QT-Strecke, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Vergrößerung des Herzens , Kalium- oder Magnesiummangel im Blut.

Thromboembolien (Venenverschluss durch Blutgerinnsel = VTE)
Sehr selten (<0,01%) wurde ein zeitlicher Zusammenhang zwischen einer Olanzapin Behandlung und venösen Thromboembolien berichtet. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten von VTE und einer Olanzapinbehandlung wurde nicht nachgewiesen. Da jedoch Patienten mit Schizophrenie häufig Risikofaktoren für venöse Thromboembolien entwickeln, sind alle möglichen Risikofaktoren für VTE, wie z.B. Bewegungsmangel festzustellen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Allgemeine Wirkungen auf das Zentralnervensystem
Da Olanzapin hauptsächlich auf das Zentralnervensystem wirkt, ist bei gleichzeitiger Einnahme von anderen zentralnervös wirksamen Arzneimitteln und Alkohol Vorsicht angebracht. Da Olanzapin im Labor einen Dopamin-Antagonismus (s.o.) zeigt, kann es die Wirkung von direkten oder indirekten Dopamin-Agonisten abschwächen.

Krampfanfälle
Olanzapin muss bei Patienten mit Krampfanfällen in der Anamnese oder bei die Krampfschwelle verändernden Zuständen vorsichtig angewendet werden. Das Auftreten von Krampfanfällen wurde selten bei mit Olanzapin behandelten Patienten berichtet. Bei den meisten dieser Fälle wurden Krampfanfälle in der Anamnese oder Risikofaktoren für Krampfanfälle berichtet.

Spätdyskinesien
In vergleichenden Studien von einer Dauer bis zu einem Jahr war die Behandlung mit Olanzapin mit einer bedeutend geringerem Auftreten von Dyskinesien (Störung en von Bewegungsabläufen) assoziiert. Das Risiko einer Spätdyskinesie nimmt jedoch während einer Langzeitbehandlung zu. Wenn bei einem mit Olanzapin behandelten Patienten Anzeichen einer Spätdyskinesie auftreten, sollte daher überlegt werden, die Dosis zu reduzieren oder die Behandlung abzubrechen. Diese Symptome können sich zeitweilig verschlechtern oder auch erst nach Beendigung der Behandlung auftreten.

Orthostatische Hypotonie (lagebedingter Blutdruckabfall)
Gelegentlich wurde in klinischen Prüfungen bei älteren Patienten orthostatische Hypotonie beobachtet. Wie für andere Neuroleptika wird empfohlen, bei Patienten über 65 Jahre den Blutdruck in regelmäßigen Abständen zu messen.

Plötzlicher Herztod
In Berichten nach Markteinführung wurde das Ereignis eines plötzlichen Herztodes bei Patienten mit Olanzapin berichtet. In einer retrospektiven beobachtenden Kohortenstudie hatten Patienten, die mit Olanzapin behandelt wurden, ein ungefähr zweifach erhöhtes Risiko eines vermuteten plötzlichen Herztodes im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika behandelten Patienten. In der Studie war das Risiko von Olanzapin vergleichbar einer gepoolten Analyse von atypischen Antipsychotika.

Kinder und Jugendliche
Olanzapin ist nicht angezeigt für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen. Studien bei Patienten im Alter von 13 – 17 Jahren zeigten verschiedene Nebenwirkungen, einschließlich Gewichtszunahme, Veränderungen metabolischer Parameter und Erhöhung der Prolaktin-Spiegel (Hormon für Milchbildung). Die Langzeitprognose, die mit diesen Ereignissen verbunden ist, wurde bisher nicht untersucht und ist unbekannt.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Mögliche Wechselwirkungen, die Olanzapin beeinflussen
Da Olanzapin durch CYP 1A2 verstoffwechselt wird, beeinflussen Substanzen, die spezifisch die Produktion dieses Leberenzyms anregen oder hemmen, möglicherweise die Verstoffwechselung und damit die Wirksamkeit von Olanzapin.

Anregung von CYP 1A2
Der Abbau von Olanzapin kann durch Rauchen und Carbamazepin verstärkt werden. Dadurch kann es zu niedrigeren Olanzapin-Konzentrationen kommen. Beobachtet wurde nur eine leichte bis mäßige Zunahme des Olanzapinabbaus. Die klinischen Konsequenzen sind wahrscheinlich gering, es wird jedoch eine klinische Überwachung empfohlen. Falls erforderlich, kann eine Erhöhung der Olanzapin-Dosis erwogen werden.

Hemmung von CYP 1A2
Für Fluvoxamin, einen spezifischen CYP 1A2 Hemmstoff, wurde eine signifikante Hemmung der Olanzapin-Verstoffwechselung gezeigt. Eine Reduzierung der Olanzapin-Dosis muss in Betracht gezogen werden, wenn eine Behandlung mit einem CYP1A2-Hemmer begonnen wird.

Verminderte Bioverfügbarkeit
Aktivkohle vermindert die Bioverfügbarkeit von oralem Olanzapin um 50 – 60% und sollte mindestens zwei Stunden vor oder nach Olanzapin eingenommen werden. Fluoxetin (ein CYP2D6 Hemmstoff), Einzeldosen von Antazida (Mittel gegen Übersäuerung des Magens, z.B. Aluminium, Magnesium) oder Cimetidin haben keinen signifikanten Einfluss auf die Verstoffwechselung und damit die Wirksamkeit von Olanzapin.

Möglicher Einfluss von Olanzapin auf andere Arzneimittel
Olanzapin kann die Wirkung von direkten und indirekten Dopamin-Agonisten abschwächen. Die wichtigsten CYP450 Isoenzyme (z. B. 1A2, 2D6, 2C9, 2C19, 3A4) werden durch Olanzapin in im Laborversuch nicht gehemmt. Deshalb ist hier keine besondere Wechselwirkung zu erwarten, was auch durch in Studien an lebenden Organismus belegt wurde, in denen keine Hemmung des Metabolismus der folgenden Wirkstoffe gefunden wurde: trizyklische Antidepressiva (im Allgemeinen typisch für den CYP2D6-Weg), Warfarin (CYP2C9), Theophylin (CYP1A2) oder Diazepam(CYP3A4 und2C19). Olanzapin zeigte keine Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Gabe von Lithium oder Biperiden. Die therapeutische Überwachung der Valproat-Blutspiegel hat nicht gezeigt, dass die Valproatdosis angepasst werden muss, nachdem mit der gleichzeitigen Gabe von Olanzapin begonnen wurde.

Allgemeine Wirkung auf das Zentralnervensystem
Bei Patienten, die Alkohol konsumieren bzw. Arzneimittel mit einer das Zentralnervensystem dämpfenden Wirkung erhalten, ist Vorsicht angebracht. Die gleichzeitige Anwendung von Olanzapin mit Anti-Parkinson-Arzneimitteln bei Patienten mit Parkinsonscher Erkrankung und Demenz wird nicht empfohlen.

QTc-Intervall
Vorsicht ist angebracht, wenn Olanzapin gleichzeitig mit Arzneimitteln angewendet wird, die bekanntermaßen das QTc-Intervall verlängern.

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft
Es liegen keine hinreichenden und kontrollierten Studien bei schwangeren Frauen vor. Die Patientinnen sollten darauf hingewiesen werden, ihren Arzt zu unterrichten, wenn sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft während der Behandlung mit Olanzapin planen. Da die Erfahrung bei Menschen begrenzt ist, darf Olanzapin in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das potentielle Risiko für den Fötus rechtfertigt. Sehr selten gab es Spontanberichte über Zittern, Hypertonie (Bluthochdruck), Lethargie (Teilnahmslosigkeit) und Schläfrigkeit bei Kindern deren Mütter während des letzten Drittels der Schwangerschaft Olanzapin angewendet hatten.

Stillzeit
In einer Studie mit stillenden, gesunden Frauen wurde Olanzapin in der Muttermilch ausgeschieden. Die durchschnittliche vom Säugling aufgenommene Menge (mg/kg) wurde mit ca. 1,8% der mütterlichen Olanzapin Dosis bestimmt. Den Patientinnen sollte geraten werden, ihr Kind nicht zu stillen, wenn sie Olanzapin einnehmen.

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Studien zu den Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt. Da Olanzapin Schläfrigkeit und Schwindel verursachen kann, muss der Patient vor dem Bedienen von Maschinen gewarnt werden, dies gilt auch für das Autofahren.

Nebenwirkungen

Erwachsene
Die am häufigsten (≥1% der Patienten) berichteten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Olanzapin in klinischen Prüfungen waren Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, Eosinophilie (siehe oben), erhöhte Prolaktin-, Cholesterin-, Glukose- und Triglyceridspiegel, Glukosurie (Zucker im Urin), Zunahme des Appetits, Schwindel, Sitzunruhe, Parkinsonismus (Dyskinesie, orthostatische Hypotonie, anticholinerge Effekte, vorübergehende asymptomatische Erhöhungen von Lebertransaminasen (siehe oben), Ausschlag, Asthenie (Schwäche), Ermüdung und Ödeme.

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Eosinophilie, Leukopenie, Neutropenie, Thrombozytopenie.

Erkrankungen des Immunsytems
Allergische Reaktionen.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Gewichtszunahme, erhöhte Cholesterinspiegel, erhöhte Glukosespiegel, erhöhte Triglyceridspiegel, Glukosurie, Zunahme des Appetits, Entwicklung oder Verschlechterung eines Diabetes gelegentlich begleitet von Ketoacidose oder Koma, einschließlich einiger tödlicher Fälle, Hypothermie (Unterkühlung).

Erkrankungen des Nervensystems
Schläfrigkeit, Schwindel, Akathisie, Parkinsonismus, Dyskinesie, Krampfanfälle, wobei in den meisten dieser Fälle Krampfanfälle in der Anamnese oder Risikofaktoren für Krampfanfälle berichtet wurden, malignes neuroleptisches Syndrom, Dystonie (Bewegungstörungen einschließlich Blickkrämpfen) Spätdyskinesien, Absetzsymptome.

Herzerkrankungen
Bradykardie (langsamer Herzschlag), QTc Verlängerung, Kammerflimmern, plötzlicher Tod.

Gefäßerkrankungen
Orthostatische Hypotonie, Thromboembolien (einschließlich Lungenembolien und tiefer Venenthrombose).

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes
Leichte, vorübergehende anticholinerge Effekte einschließlich Verstopfung und Mundtrockenheit, Bauspeicheldrüsenentzündung.

Leber- und Gallenerkrankungen
Vorübergehende, asymptomatische Erhöhungen von Lebertransaminasen (ALT, AST), besonders zu Beginn der Behandlung. Hepatitis (einschließlich einer hepatozellulären oder cholestatischen Leberschädigung oder einer Mischform).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Ausschlag Lichtüberempfindlichkeitsreaktionen, Haarausfall.

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Rhabdomyolyse (Auflösung quergestreifter Muskelfasern).

Erkrankungen der Nieren und Harnwege
Harninkontinenz, Schwierigkeiten beim Wasserlassen.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Priapismus (schmerzhafte Dauererektion).

Quellen:

Fachinfoservice/Rote Liste
"Körpergewicht und Serumtransaminasen im Verlauf von Behandlungen mit Olanzapin", Kim Kowoll 2006
"Olanzapin (Zyprexa®) zur Prävention von Depressionen bei Bipolaren Störungen", Medknowledge 2003
"Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie", Benkert/Hippius 2011
Wikipedia
"Bipolare Affektive Störungen – Ursachen und Behandlung", Jörg Walden 2006
Flexikon von DocCheck
Tohen M. et al., "Efficacy of olanzapine in acute bipolar mania: a double-blind, placebo-controlled study". The Olanzipine HGGW Study Group. Arch Gen Psychiatry. 2000 Sep;57(9):841-9.
Tohen M. et al: "Efficacy of olanzapine and olanzapine-fluoxetine combination in the treatment of bipolar I depression". Arch Gen Psychiatry. 2003 Nov;60 (11):1079-88.
Tohen M. et al: "Olanzapine versus divalproex sodium for the treatment of acute mania and maintenance of remission: a 47-week study". Am J Psychiatry. 2003 Jul;160(7):1263-71.
Moritz Mühlbacher, www. bipolar-forum.at
Ch.oddb.org - peer reviewed open drug database
Dietrich van Calker, PhD, MD ,Professor of Psychiatry ,Universitätsklinikum Freiburg i.Br. ,Department of Psychiatry and Psychotherapy



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.07.12 21:59.
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