Medikamente und Bipolare Störung

04. 05. 2009 00:54
Hinweis: Dieser Artikel wurde von einer Forumsteilnehmerin erstellt. Die DGBS übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben.

In der Behandlung der Bipolaren Störung gibt es drei Säulen der empfohlenen Behandlungsstrategien. Idealerweise wird der/die Betroffene auf allen drei Ebenen behandelt.

Die erste und am häufigsten eingesetzte Therapie ist auf den biologisch-medizinischen Ansatz der bipolaren Störung ausgerichtet. Diese geht von einer genetisch bedingten Veranlagung für eine Stoffwechselstörung im Gehirn aus. Das Resultat dieses Ansatzes mündet in einer medikamentösen Behandlung dieser Störung, die vor allem darauf ausgerichtet ist, die Symptome der Erkrankung zu bekämpfen, sprich ein nahezu phasenfreies Leben zu ermöglichen. Eine Heilung im Sinne von vollständiger Ursachen- und Symptombeseitigung ist bei diesem Ansatz nicht zu erwarten, deshalb wird in der Regel von den Therapeuten/Ärzten auch die lebenslange Einnahme der stimmungsstabilisierenden Medikamente empfohlen.

Der zweite Ansatz besteht aus der sogenannten Psychoedukation, auf die ein anderer Autor noch genauer eingehen wird. Sie ist dazu geeignet, möglichst viel Wissen über die Krankheit zu vermitteln und gleichzeitig ganz praktische Strategien zur Vermeidung erneuter Phasen zu entwickeln. Dabei wird die medikamentöse Behandlung als ein Grundpfeiler der Therapie vorausgesetzt. Diese Form wird in Kliniken angeboten oder auch ambulant von Klinikambulanzen durchgeführt oder, wo diese Möglichkeit nicht besteht, in Selbsthilfegruppen erarbeitet und weitergegeben.

Der dritte Ansatz zielt auf den psychischen Anteil der Erkrankung, der in der Regel eine der Voraussetzungen dafür ist, dass die genetische Veranlagung zu einer akuten und chronischen Erkrankung führt. Auch hier wird eine Heilung nicht in Aussicht gestellt, sondern die Psychotherapie ist häufig darauf ausgerichtet, die psychischen Stressfaktoren, die zu einer Verschlimmerung der Erkrankung führen, zu identifizieren und zu verändern, so dass die Gefahr erneuter Phasen verringert wird. Dies wird häufig in Form einer Verhaltenstherapie durchgeführt. Aber auch andere Psychotherapieformen werden eingesetzt.

Außerdem möchte ich auch noch weitere Behandlungsstrategien erwähnen, die in einer Ernährungsumstellung oder aus regelmäßigem Sport, bestimmten Kommunikationsformen bis hin zu analytisch ausgerichteten Therapien bestehen können. Zusätzlich zu den oben genannten Therapieformen können dadurch Verbesserungen der Lebensqualität von Betroffenen erreicht werden. Dem Einsatz als einzige, nicht mit anderen Therapieformen kombinierte Strategie wurde allerdings bisher kein wissenschaftlich verifizierter Erfolg bescheinigt.

Es kann sich jedoch in einzelnen Fällen herausstellen, dass eine der oben genannten Säulen der Behandlung nicht vorteilhaft für den Betroffenen ist (z.B. individuelle Unverträglichkeiten von medikamentösen Phasenprophylaxen oder ähnliches).

Eine persönliche Anmerkung von mir: die Bipolare Störung ist meiner Meinung nach so unterschiedlich ausgeprägt wie die persönlichen Charakterstrukturen der Betroffenen. Was für mich bedeutet, dass die Behandlungsstrategie am besten individuell auf die Person zugeschnitten werden sollte, die behandelt wird.

Dieser Thread soll sich jetzt mit der medikamentösen Behandlung auseinandersetzen.

Die Informationen, die ich hier weitergebe, beziehen sich in erster Linie auf durchschnittliche Erfahrungen und können im Einzelfall anders aussehen. Ebenso sollen sie auf keinen Fall in irgendeiner Form Therapievorschläge darstellen. Ich bin keine Ärztin oder Pharmazeutin, bin jedoch beruflich im medizinischen Umfeld unterwegs. Die Zusammenfassungen zu den Medikamenten werden von einem Bipolar-Spezialisten (Facharzt und Professor für Psychiatrie an der Universität Freiburg) und einem niedergelassenen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie gegengelesen, so dass eventuelle Fehler ausgemerzt sein sollten.

Als erstes möchte ich einen Überblick über die verschiedenen Medikamentengruppen geben, die bei der Bipolaren Störung eingesetzt werden können.

Grundsätzlich möchte ich voranstellen, dass die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Medikamenten stark von der einzelnen Person abhängt. Das heißt, was bei dem einen funktioniert, das könnte bei dem anderen nichts bewirken oder sogar schaden. Das Finden einer guten medikamentösen Einstellung kann unter Umständen Monate bis Jahre dauern.

Die fachspezifischen Informationen zu den einzelnen Medikamentengruppen und Wirkstoffen kommen demnächst in den folgenden Postings. Wirkungen und Nebenwirkungen und genauer Einsatz, bei welchen Formen der Bipolaren Störung, will ich jeweils bei den einzelnen Medikamenten-Postings beschreiben.

Wichtig ist: alle Angaben gelten nur für Erwachsene, Kinder und Jugendliche sind bei diesen Beschreibungen ausgenommen.



12-mal bearbeitet. Zuletzt am 30.07.12 21:42.
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Wichtig Informationen zu Medikamenten

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